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Werkkomplex zum Glück
     
 
MIT SEIFE UND GABELN
Kuratorisches Projekt mit zwei Ausstellungen und Publikation, 2011
Werkkomplex, 2007–2010

Hat jemand eine Ahnung? Wo sind die Werkzeuge, welche Rolle spielt der Zufall, ist Angst ein Antrieb, braucht es die Störung, was gilt es zu verteidigen? Ist das Glück eine launische Hure?  Es ist ein Boojum, nicht wahr?

»Mit Seife und Gabeln« ermittelt aus gegenwärtiger Perspektive soziale, politische und kulturelle Bedingungen für Glück. Parallelerzählung und konzeptionelle Blaupause bilden Motive aus Lewis Carrolls absurdem Versbericht »The Hunting of the Snark« aus dem Jahr 1876 über eine Handvoll unglücklicher Glücksuchender. Die als »Agonie in 8 Krämpfen« untertitelte Erzählung stellt die individuelle Herangehensweise an diese Suche ins Zentrum. Gefahndet wird nach dem Snark – doch wehe dem, der ihn findet, denn dieser könnte sich als Boojum entpuppen. Carroll beäugt das geschäftige Streben nach Glück mit Ironie und im Geist des Existenzialisten: mit Blick auf der Suche einzig gewisser Erfüllung – dem Tod.
Das Diktum, wir seien alle auf der Suche nach dem Glück, korrumpiert und bindet den Glücksbegriff an rationale Zwecke. Die Flut konsumistischer Happiness-Konzepte bedient sich seiner und setzt ihn an die Stelle konkreter menschlicher Bedürfnisse wie Freiheit oder Gesundheit. Das Glück aber ist rebellisch, es widersetzt sich der Regung, konservativ zu werden, seine Beschaffenheit bleibt liberal und unscharf, seine Anwesenheit flüchtig. Treu der etymologischen Wortbedeutung, zeigt sich ein Gelücke nicht selten erst retrospektiv.

In einer Schaffensphase von 2007 bis 2010 koppelte data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit in einem mehrteiligen Werkkomplex über Glück gesellschaftliche Erkundungen an einzelne Motive aus »The Hunting of the Snark«. Dieser Komplex bildet das konzeptionelle Fundament der Ausstellung, die in Kunstraum und Tiefparterre dreißig medial heterogene und in größerer Zahl spezifisch entstandene Arbeiten versammelt. In Gesellschaft von Künstlerinnen und Künstlern aus der Schweiz sowie aus Deutschland, Österreich, Kroatien und den USA beschließt data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit seine Ermittlungen zum Glück und bündelt die Kräfte... »Mit Seife und Gabeln« präsentiert weder Ansichten von Glückseligkeit noch Wege ins Glück. Viel­mehr tastet jede Position mit Eigensinn im Halbdunkel nach einer Lücke. Es werden Störungen und Zufälle manifest und, dass wir nur im Unglück alle gleich sind. Auch Carrolls jagender Schiffsbe­satzung ergeht es nicht anders. Doch mitunter schimmert durch die Luke, deren Sprachwurzel ebenso im Gelucke liegt, die Ahnung, dem Glück hafte wohl etwas Transzendentes an.

MIT SEIFE UND GABELN – Ermittlungen zum Glück
Eine Publikation von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit (hrsg.)

Inhalt: Gespräche/Statements mit den 30 KünstlerInnen; Gastbeiträge von Christine Abbt, Michael Hampe, Gesellschaft des Glücks der Verfehlung (Brock, Demuth, Maeder, Pfaller); Werkkomplex zum Glück 2007–2010 von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit
Umfang: 24x16 cm, 208 S., 74 Abb. s/w; Poster 30 Werkabb. farbig
VP: 22 EUR/26 CHF zuzügl. Versand
Erschienen: 27.02.2011
ISBN 978­3­86895­357­2

Bestellung: Revolver Publishing oder gast@menuedata.net

Die Publikation wurde ermöglicht durch Mittel des Lotteriefonds Kanton Thurgau

MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück II
29. Oktober bis 10. Dezember 2011
Substitut – Raum für aktuelle Kunst aus der Schweiz, Berlin

Konzept/Kuratorium: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit

17 Künstlerinnen & Künstler:
Klara Borbély CH, Bettina Carl CH/DE, Benjamin Egger CH, ekw 14,90 AT, Beat Füglistaler CH,
Franz Gratwohl CH, Gabriela Gründler CH, Sandra Knecht CH, Pascal Lampert CH, Ursula Palla CH, Sebastian Schaub CH, Rüdiger Schlömer DE/CH, Martin Senn CH, Andy Storchenegger CH, Marion Strunk CH, Lex Vögtli CH, Silvie Zürcher CH

Begleitveranstaltungen:
28.10.2011: Eröffnung der Ausstellung
30.10.2011: »Ermittlungen zum Glück II«, Tagung in der Berlinischen Galerie
19.11.2011: »Chance Mapping«, Workshop mit Rüdiger Schlömer
10.12.2011: The End is the Beginning is the End (Part II)

Pressetext
Flyer

Die Ausstellung wurde unterstützt durch Freier Kredit Stadt Zürich, Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung

MIT SEIFE UND GABELN – Ermittlungen zum Glück II
Eine Tagung zum Glück
Sonntag, 30. Oktober 2011
Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Konzept/Organisation: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit

Die Tagung erweitert die Ausstellung »Mit Seife und Gabeln« und ermittelt aus gegenwärtiger Perspektive philosophische, kulturelle und künstlerische Bedingungen für Glück und dessen Verfehlung. Fünf Gastbeiträge nähern sich mit den Mitteln des Vortrags, der Diskussionsrunde, filmisch oder anhand einer Werkpräsentation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mit viel Tempo und Charme halten jugendliche Poetry Slammer die Fäden des Tages in den Händen und klopfen ihren Berliner Kiez auf dessen Glückspotenzial ab.

Gäste:
Bettina Carl: Künstlerin, Zürich/Berlin
Gesellschaft des Glücks der Verfehlung: Bazon Brock, Kunstvermittler, Wiesbaden;
Jso Maeder, Künstler, Zürich; Volker Demuth, Schriftsteller, Berlin
Radostina Patulova: Philosophin/Mediatorin, Wien
rebell.tv: Stefan M. Seydel und Tina Piazzi, Social Networker, Berlin/Zürich
Mikrokosmos, »Das Glück an meinem Ort«: Poetry Slam Contest mit 5 Jugendlichen des Quartiers, organisiert/moderiert von Sarah Bosetti/Daniel Hoth, Berlin

Begleittext

Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch Mittel der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia sowie der Berlinischen Galerie

MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück
16. Januar bis 27. Februar 2011
Kunstraum Kreuzlingen

Konzept/Kuratorium: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit

Künstlerinnen & Künstler:
Klara Borbély CH, Bettina Carl CH/DE, Benjamin Egger CH, ekw 14,90 AT, Fawzy Emrany DE, Beat Füglistaler CH, Franz Gratwohl CH, GBC Gebrüder Bühler CH/DE, Gabriela Gründler CH, Andrea Heller CH/FR, Patricia Jacomella CH, Andrina Jörg CH, Sandra Knecht CH, Pascal Lampert CH, Anne Lorenz CH, Sonja Lotta CH, Andreas Marti CH, Damir Očko HR, Ursula Palla CH, Sebastian Schaub CH, Rüdiger Schlömer CH/DE, Nadja Schöllhammer DE, Martin Senn CH, Elisabeth Smolarz USA, Andy Storchenegger CH, Marion Strunk CH, studio A CH, Lex Vögtli CH, Edward Wright CH/GB, Silvie Zürcher CH

Begleitveranstaltungen:
15.1.: Eröffnung der Ausstellung
23.1.: »Tour de 6«, Interviewführung mit den Kuratorinnen und 6 Künstlern
12.2.: »Happy ParaSite«, Eine Entsendung auf dem Bodensee mit data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit
12.2.: »Parasitäre Verstrickungen« mit Rüdiger Schlömer
27.2.: »The End is the Beginning is the End«, Book Release mit Konzert Me and the Minimes

Pressetext

Die Ausstellung wurde unterstützt durch MIGROS Kulturprozent, Ernst & Olga Gubler-Hablützel Stiftung, Kulturamt Thurgau sowie der Thurgauischen Kunstgesellschaft
















Samstag, 12. Februar 2011, 9–12 Uhr
: Happy ParaSite – Die Entsendung
Am Vormittag des 12. Februar wurde unter Anleitung von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit dreimal ein Vermessungsritual bestehend aus 480 Schritten und der jeweiligen Anbringung eines Objekts aus Knicklichtern durchgeführt. An der tiefsten Stelle des Bodensees wurde zudem einmalig die Opferung einer goldenen Kugel aus Pappmaché deren Inhalt ein rohes Ei war vorgenommen. An der Entsendung nahmen 9 Personen teil. »Ganz der Platz für 'nen Schnatz. Ich hab's dreimal gesagt: Was ich dreimal Euch sage, ist wahr.« (Lewis Carroll, 1. The Landing)
Inmitten des Bodensees befindet sich die vorläufig einzige Gegend in Europa, in der zwischen den Nachbarstaaten nie eine Grenz­ziehung festgelegt wurde. Die Grenze zwischen den Anrainerstaaten basiert seit je her auf Gewohnheitsrecht. Ab 25 Metern Seetiefe befinden wir uns zudem auf Hoher See. Die maximale Tiefe liegt bei 254 Metern südwestlich von Immenstaad. »Eine riesige Karte, gekauft für die Reise, Hatt' der Captain immer dabei. Sie zeigte das Meer, und die Crew fand es weise, Daß nur Meer und sonst nichts auf ihr sei.« (Lewis Carroll, 2. The Bellman's Speech)












Samstag, 12.2.2011, 13–17h
: Happy ParaSite – Parasitäre Verstrickungen mit Rüdiger Schlömer
Weitere »Chance Buttons« und ergänzendes Reflektorgarn verstreuten sich in Kreuzlingen – leise, unbemerkt, unauffällig – um dort auf ihre fotoparasitäre Aktivierung zu warten. Die Route führte vom Kunstraum zum Beobachtungsturm. Auf dem Weg fanden sich verschiedene Flächen und Objekte, Sonnenschirme, Bauzaungewebe, Pflanzenranken, die sich als Andockstelle und Träger der Fotoparasiten anboten. Mittels Näh-, Häkel- und Stricknadeln oder mit einfachen Knoten und Wickelungen wurden sie dort angebracht. Beweisfotos wurden in der Dämmerung gemacht, bevor die leisen Zeichen dem fotografischen Zufall überlassen wurden.









Samstag, 15.1.
2011: Eröffnung der Ausstellung
Spectral Revolution, Performance zur Eröffnung von Benjamin Egger
mit Alicia Vargas und der Hilal Dance-Gruppe von Yvette Mimona Fatma
Foto: ©andreaslehner.com




WERKKOMPLEX ZUM GLÜCK
Künstlerische Interventionen, 2007–2010

CARPE NOCTEM!
data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit im Selbstversuch

2010: Auf Einladung des Centre PasquArt, Biel, verbrachte data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit die Nacht vom 29./30. Oktober in der Ausstellung »Felicità«.

Nadelfeld
ca. 10 kg Stecknadeln, ca. 300x150 cm


















2009: Die Stecknadeln werden zu einer präzisen form am Boden zusammengelegt, sodass das augenmerk sich auf die materiali­ tät der Nadeln richtet, die als gesamte fläche wahrgenommen Glanz, Schönheit und Sanftheit übermitteln und starken einfluss auf den sie umgebenden raum nehmen. auf den zweiten Blick erst, im Detail betrachtet, verweist die ansamm­ lung der Nadeln auf Verletzung, Schmerz, fragmentierung und anstrengung. Durch die gebrochene Spiegelfläche wohnt »Nadelfeld« eine Vorstellung von Glück als etwas Brüchiges, flüchtiges und als bloße ahnung inne. Die form dieses objekts entsteht raumspezifisch.


No Camping
Fotografie, 3-tlg., je 13x19 cm, auf Alu























2009: Wie zuvor »Bootsfahrt« (2007 / 7. Krampf) geht auch »No camping« von der Unter­ suchung eines Medienbilds aus – vom Besuch Muammar al Gaddafis bei Silvio Berlusconi im Juni 2009. Die Ästhetik nähert sich mittels fragmentierender Hilfs­mittel wie Mehrfachvergrößerung, Kopie und Neumontage der Selbstdarstellung der Hauptfigur. Der Werktitel bezieht sich auf die medienwirksame Gewohnheit Gaddafis, als Gast jeweils sein Zelt aufzuschlagen, um von den kapitalistischen Staaten keiner­lei Gaben empfangen zu müssen. Die drei Bildteile richten ihr Augenmerk jedoch nicht mehr auf das konkret Politische, sondern fokussieren auf drei wesentliche allgemei­ne Machtsymbole: roter Teppich, Opferrolle, Auszeichnungen. Hinter diesen elementen erscheint das Groteske, welches in Lewis Carrolls absurder Verserzählung eine stets auftretende Nebenwirkung der Glückssu­che darstellt. Die sich anziehenden Gegen­sätze Sympathie und Abscheu, Eitelkeit und Grauen keimen auf und mit gebleckten Zähnen erstarrt die verzerrte Miene.

Union 96
250x180 cm; Textil, Stecknadeln, Kupferrohr























2009: Über den Zeitraum der Ausstellung »Maßstab in Meilen .. .. . .... .« in der temporären Galerie mü in Zürich (28.–31.05.09) lässt data das finale Werk des Glücksprojekts entstehen. Der Aufruf »Union 96 – Wege zum Glück« folgt auf den 2007 angekurbelten Aufruf Welche Farbe hat das Glück? Auf der Grundlage der 96 nun vorliegenden Farbkarten versammeln sich die jeweiligen Partizipanten vor Ort und stellen das Gründungssymbol ihres Zusammenschlusses, basierend auf einer Sammlung von Glücksfarben, her. Der kleine Eingriff des Einzelnen ermöglicht das kollektive hissen der Flagge »Union 96«, gefertigt aus ebensovielen einzelnen Stoffstücken. Das Objekt steht Carrolls 5. Krampf, «Die Lektion des Bibers«, nahe — der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Schlachter und Biber, deren Ursprung eher in der kollektiv empfundenen Angst denn im gegenseitigen Mitgefühl zu finden ist. Nur von Stecknadeln zusammengehalten, weisen die Stoffstücke zwar auf die Fragilität des großen humanen Projekts der Gemeinschaft, das Hissen der Flagge als Akt jedoch gibt den Wert der leeren Karte der Statuierung einer willkürlichen Ordnung preis, innerhalb der nur einige wenige ihren Platz finden werden. »Union 96« bedient das zweifelhafte Ein- und Ausschlussverfahren unserer Demokratie und wird errichtet auf dem schmalen Grat zwischen Geborgenheit und Nationalismus.

Maßstab in
Meilen .. .. . .... .

Ausstellungsprojekt, Kuratorium
temporäre Galerie mü, Zürich
28.–31.05.2009















2009: Für »Maßstab in Meilen .. .. . .... .« hat data fünf Künstlerfreundinnen und -freunde mit dem Begehren eingeladen, innerhalb einer Zeitspanne von vier Wochen mittels zwei ausführlichen Gesprächsrunden zunächst zu einem Ausstellungskonzept, in der Folge zu einer Reihe neuer Arbeiten und schließlich zu einer Ausstellung zu gelangen, deren zentrales Anliegen nebst den Werken die persönliche Anwesenheit am Ort sein soll. Mit dem einzigen bereits bestehenden Werk der Ausstellung — dem Foto-Triptychon »The Bellman’s Speech« — hat data eine Markierung gesetzt. Hernach bestand die Herausforderung darin, ein gemeinschaftliches ausstellungs-Vehikel in Gang zu setzen. Der Textrahmen entspricht Lewis Carrolls leerer Karte und wahrt die Offenheit dieses Kuratoriums.
»Union 96 – Wege zum Glück«, Gäste-Aufruf zur Partizipation am Objekt;
»Union 96«, Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr, ca. 250 x 180 cm

CARPE NOCTEM! 
Nacht-Installation mit sechs Gästen
KunstRaum R57, Zürich
21.–27.01.2009
www.R57.ch

Intallation im Fenster:
data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit, »Stelen«,
»Traum 1«









im Rahmen der Reihe «ZwischenSpiele». Für sechs Nächte verwandelt sich der Kunstraum in eine Schlaf-, Traum- und Arbeitsstätte, in der sechs Gäste dem permanenten Mangel an transzendenten Erlebnissen nachforschen, um so kreative Praktiken zwischen Cis-, Meta- und Trans-Zuständen gegen das Unglücklichsein zu erproben. Am jeweiligen Morgen danach sind Interessierte eingeladen, am schöpferischen Potential der vergangenen Nacht teilzuhaben. Über den Zeitraum der Intervention ist die Videoinstallation «Traum I» von außen zu sehen. «data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» entwickelt und untersucht parasitäre Strategien in Kunst und Theorie – der Gast erbringt seinem Wirten also ebenfalls einen Dienst. »Der unberechenbare Zeuge«, ein Kopiererprodukt, erfasst das Material dieser sechs Nächte und wird am letzten Abend von CARPE NOCTEM! präsentiert.

«data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» arbeitet derzeit an einem Werkkomplex über Glück, dessen Bestandteil auch CARPE NOCTEM! ist. Den einzelnen, dieser «Jagd nach dem Glück» entspringenden Arbeiten liegt die absurde Erzählung «Die Jagd nach dem Schnatz, eine Agonie in 8 Krämpfen» von Lewis Carroll zugrunde. Diese berichtet von einer außergewöhnlichen Schatzsuche: Die Anwesenden – Captain, Makler, Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und Biber – befinden sich mit Hilfe einer leeren Ozeankarte auf der Suche nach dem «Schnatz», worunter das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die Herangehensweise jedes einzelnen Protagonisten während dieser Jagd in den Vordergrund.

Die Nacht-Installation CARPE NOCTEM! folgt dem 6. Krampf «Der Traum des Anwalts» und bildet einen Hort zwischen Intimität und Öffentlichkeit mit dem Zweck der Selbst- und Fremdbeobachtung, um in der Einsamkeit einer kalten Winternacht der Frage nachzuforschen: Are you happy?

»Der unberechenbare Zeuge«, Kopierer-Publikation,
DIN A5, 92 S., Audio-CD, Kleinauflage; 20 CHF
Bestellung: gast@menuedata.net

CARPE NOCTEM! Materialien der Gäste (Performance, Stilleben, Notizen)


Traum 1 
Video, 1:37 Min., Loop


























2009: Die Arbeit »Traum 1« wurde im Rahmen der Intervention »CARPE NOCTEM!« im KunstRaum R57 gezeigt. Die auf das Fenster projizierte und von außen wie innen gleichermaßen sichtbare Videoarbeit »Traum I«, hinter der sich »CARPE NOCTEM!« abspielt, zeigt über die gesamte Ausstellungsdauer eine Traumsequenz, in der sich eine Frau scheinbar endlos Stecknadeln aus dem Mund zieht und dabei zunehmend in Panik gerät. Ein solcher sogenannter indirekter Angsttraum tritt in Stresssituationen als unberechenbarer Zeuge von unterbewussten Verarbeitungsprozessen auf. Die Stecknadeln werden in Richtung des zweiten Fensters abgelegt, das eine bergartige, mit Stecknadeln besetzte Seifenplastik »Stele I« zeigt. Aus Resten des Seifen-Objekts »84« (06.2007) entstanden, verweist dieses Objekt – wie die Vanitas-Gegenstände und die Nacht selbst – auf die Vergänglichkeit des Daseins.

Stelen
Glycerinseife, Stecknadeln, mehrteilig,
max. je 30 x 15 x 60 cm

























2009: Die Gruppe dieser Seifenelemente bildet das Restmaterial von »84« (2007/ 8. Krampf), einer Arbeit für den Außenraum in Form einer Grabplatte. Die sieben Stelen greifen, nicht zuletzt auf formaler Ebene, das thema des Werdens und Vergehens noch einmal auf. Abgesehen von den Stecknadeln in »Stele I« wurden die Seifenblöcke nicht bearbeitet, sondern lediglich aus den resten der grabplatte heraus- geschnitten. Wenn die Aura des Objekts erhalten ist, wohnen in diesen Stücken wiederum die Empfindungen Verletzung, Schmerz und Trauer inne – verzichten jedoch darauf, noch einmal auf ein biographisches Moment zu verweisen.
Die »Stelen« sind nur Form – abstrakte Solitäre.

84 
Seifenskulptur
100 x 100 x 15 cm, Glycerinseife, Bronze






















2007: Die Arbeit »84« steht für das letzte, achte Kapitel des Zyklus »Jagd nach dem Glück« (siehe auch unter 29° angefangen) und unterliegt dem Gedanken des Memento Mori, dem Satz »Bedenke, daß du sterben mußt«. In Lewis Carrolls Fabel »The Hunting of the Snark« gibt es ein Schlüsselzitat, aus welchem wir die Idee, Seife als Material einzusetzen, entlehnen: »Sie suchten mit Handschuhn - und suchten mit Plan; Sie jagten mit Hoffnung und Gabeln; Sie bedrohten sein Leben mit Aktien der Bahn; Sie lockten mit Seife und Fabeln.« Die Seifenskulptur »84« wurde für den öffentlichen Raum konzipiert.
Uns interessierte die Vergänglichkeit bzw. Haltbarkeit des Materials.
Mittels der visuellen Erscheinung einer Grabsteinplatte, versehen mit einem aktuellen Todesjahr einer weiblichen Person, wollten wir eine reale Biografie aufscheinen lassen, die womöglich auch die unsrige oder die der Betrachterin sein könnte. Eine Frau in der Schweiz hat 2007 laut dem Bundesamt für Statistik eine durchschnittliche Lebens­erwartung von 84 Jahren. Davon ausgehend, dass die Durchschnittsfrau im aktuellen Jahr 2007 sterben wird, recherchierten wir auf Zürichs größtem Friedhof 'Sihlfeld' nach sämtlichen bereits verstorbenen Frauen aus dem Geburtsjahrgang 1923. Aus allen vorgefundenen Namen ermittelten wir den häufigsten: TRUDI. Wir notierten uns die Vornamen aller 123 aufgefundenen weiblichen Vornamen und ermittelten den häufigsten: Dicht gefolgt
von Maria und Anna überragte der Name Gertrud bzw. Trudi. Die Inschrift lautet demnach TRUDI 2007–1923.

Auszug aus dem Konzept: Die Jagd nach diesem Glück, die Hatz nach etwas Besserem, Höherem, Weiterem wird in der Erzählung von Lewis Carroll ad absurdum geführt, da schlußendlich derjenige, der das sogenannte Glück findet, sich in Luft auflöst, stirbt:

        »Gerade mitten im Wort, das er halb schon gesagt,
        Gerade mitten im Glück offenbar
        Wurd´er leise zu Luft, wie ein Traum, der verpufft –«
        Lewis Carroll, The Hunting of the Snark

Die Seifenplastik lehnt sich an diesen Gedanken Carrolls an, auf unseren Traum verweisend, der wohl ebenso irgendwann verpuffen wird. Was genau in diesem
Moment des höchsten Glücksempfindens geschieht bleibt offen und der Rezeption
des Betrachters überlassen. Mit unserer hier vorgestellten Arbeit rollen wir Carrolls Geschichte der Glückssucher von hinten wieder auf, indem wir den Betrachter unmittelbar mit seinem eigenen Ableben konfrontieren. Wir legen das Sterbedatum
auf den Beginn der Ausstellung und provozieren damit (wenn es glückt) eine Zurückverfolgung einer möglichen Biographie unserer fiktiven beerdigten Person – zurückgeworfen auf die eigene.
Die Seife als Material unterstützt die Thematik der Vergänglichkeit. Der Witterung ausgesetzt, wird sie stetig weniger, und die Spuren des Individuums werden verwischt und weggeputzt. Regenwetter breitet den besetzten Meter schließlich aus und er
setzt sich fort. Gleich einem parasitären System heftet sich die Masse an den Vorbeigehenden fest. Die gleitende und rutschige Eigenschaft der Seife vermittelt Unsicherheit, verlangsamt den Schritt. Man hält inne, achtet auf seinen Schritt, bemerkt eine Störung im Vertrauten.
Als Werkzeug der Reinlichkeit kann man die Seife gleichzeitig als Metapher der Suche nach dem Glück behandeln: man erhofft sich eine kathartische Wirkung, die zur ersehnten »Reinheit des Gewissens« führt, zu einem inneren Gleichgewicht. Ist die Seifen-Grabsteinplatte schlußendlich verwittert, bleiben lediglich die metallenen Buchstaben zurück. Die Körperlichkeit tritt zugunsten der Erinnerung an das Erlebte,
an eine Person oder an den Ort, zurück. Die Erinnerung daran aber fabuliert weiter
und eröffnet Freiräume für eigene Glücks- und Überlebensstrategien.

Das Seifenobjekt lag unter freiem Himmel am Seeufer des Zürichsee im Areal der Roten Fabrik. Es unterlag somit einem herbeigeführten Verfallsprozess zwischen Sonne, Regen und Langfingrigkeit.
Die Seife wurde von der Firma permatin AG – Seifenkultur hergestellt und gesponsort.

Ausgestellt am Seeufer beim Kulturzentrum Rote Fabrik in Zürich im Rahmen des internationalen Theaterfestivals »OKKUPATION!«, 05.–17.06.2007

84 / Modell 1:5
20 x 20 x 5 cm; Glycerinseife, Bronze; auf Sockel

2007: Die Arbeit »84/Modell 1:5« ist innerhalb des Projektzyklus' »Jagd nach dem Glück« eine weitere memento-mori-Studie, welche im Seifenobjekt »84« ihren Anfang nahm. An die Stelle der Skulptur »84«, welche für den Verfall bestimmt war und in der ursprünglichen Fassung nicht mehr existiert, tritt ein Modell im Maßstab 1:5, das nachträglich aus der restlichen Seife der ursprünglichen Skulptur entstanden ist. Durch die Präsentation im musealen Raum wird das Objekt dekontextualisiert und erfährt Schutz. Der Aspekt der Reinheit rückt in den Vordergrund.

Soap To Use
ca. 5 x 5 x 1 cm; Glycerinseife mit Prägung; 50 handgefertigte Multiples







2007: »Soap to Use« sind aus dem Rest des Seifenobjekts »84« herausgeschnittene kleine handsame Waschstücke für den täglichen Gebrauch in limitierter Auflage. Die Prägung mit der Inschrift »TRUDI 2007–1923« verweist auf das übergeordnete Thema des Projektzyklus’ »Jagd nach dem Glück«. Der Zyklus lehnt sich an Lewis Carrolls Fabel »Hunting of the Snark« an. Diese berichtet von einer außergewöhnlichen Schatzsuche: Die Anwesenden, ein Captain, Makler, Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und ein Biber, befinden sich auf der Suche nach dem »Schnatz«, worunter nach Carrolls Worten das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die  Herangehens­weise jedes einzelnen Protagonisten, während dieser Jagd nach dem Glück, in den Vordergrund. Wir bedienen uns des Nonsense-Gedichts und versuchen eine Form der Neubearbeitung. Die Fabel ist in acht Kapitel untergliedert und sie trägt die Unterzeile »Agonie in acht Krämpfen«.

»Soap To Use« steht in engem Zusammenhang zu dem Objekt »84«, das
im Juni 2007 im Rahmen des internationalen Theaterfestivals OKKUPATION! in Zürich gezeigt wurde. Durch die handsamen Waschstücke »Soap To Use« erhält die Arbeit »84« eine Zuspitzung: Das Gedankenspiel des memento mori wird weitergetragen – hinein an private Waschbeckensituationen und verknüpft mit individuellen haptischen Erlebnissen. »Soap to Use« ist ein Waschstück aus Glycerinseife.

Ausgestellt in »Bildwelten_1« im KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007
Ausgestellt in »Utopie des Raums« am Kyrgyz National Museum of Fine Arts in Bishkek; 25.03.–10.04.2008

Blick zurück nach vorn
Seife 001–004, 15x19 cm; Fotografie auf Textil






2007: »Blick zurück nach vorn I« zeigt Szenen aus dem alltäglichen Umfeld: ein an der Wiese lehnendes Fahrradpaar, eine Hortensienblüte, ein Duschbad oder eine Nachtaufnahme einer Stadt. In jeder Szene befindet sich ein Reststück des Seifenobjekts »84«. An dieser Arbeit interessiert uns einerseits die Ästhetik des Materials Seife, ihre unmittelbare haptische wie diaphane Qualität. Andererseits fasziniert uns die alltägliche Auseinandersetzung mit dem Gedanken an das »memento mori« – an die eigene Sterblichkeit; an die stete Befragung nach der Zufriedenheit mit der eigenen Biografie. Wie entwickelt sich der Blick auf die Umgebung, hält man sich diesen Gedanken stets bewusst aufrecht; ist es der extraordinäre Blick auf das Schöne, sinnlich Erfahrbare, womöglich einmalige und letzte Erleben eines Ereignisses?
In der ersten Empfindung erscheinen die abgebildeten Bildwelten aufgeräumt, solid, belanglos. Auf den zweiten Blick wird diese erste trügerische Sicht brüchig: Was hat dieser undefinierbare Block im Bild zu bedeuten, was ist das? Durch die Anwesenheit der Seife entsteht eine Komplizenschaft zwischen der Bildwahrheit und dem »memento mori«, aufgedrängt durch den Verweis auf das Flüchtige und Vergängliche – durch Eigenschaften, die der Seife immanent sind. Die ästhetische, beinah idyllische Darstellung dient hier als Vehikel einer Tiefenschärfe jenseits von flüchtiger und scheinbarer Belanglosigkeit.

Ausgestellt in »Bildwelten_1« im KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007
Ausgestellt auf der »Kunstszene Zürich«, 21.12.2007–06.01.2008


Bootsfahrt
Videomontage mit Tonspur, Farbe, 2:48 Minuten









Die Animation zeigt zwei Varianten einer Glückssuche, verwoben durch die Art der Gefühle, die um Hoffnung, Erwartung, Scheitern, Enttäuschung, Langeweile und Bangen des Wartens kreisen. Die Klänge plätschernden Wassers und die Vaporetti in den Kanälen Venedigs suggerieren unbestimmtes Warten in angenehmer Trägheit. Für einen Augenblick nur drängt sich die Vorstellung von einem überfüllten Flüchtlingsboot auf: Eine hoffnungsvolle Suche nach dem Glück gepaart mit Todesangst. Die Tonspur geht über in die Realität, welche auf die Flüchtlinge wartet, die das vermeintliche Glück ergreifen können. »Bootsfahrt« wurde im Innern der fahrbaren Badekabine präsentiert.

Ausgestellt auf der Kunstszene Zürich; 21.12.2007–06.01.2008
Ausgestellt auf der »Regionale 9« in der Kunsthalle Basel; 30.11.2008–04.01.2009

The Bellman´s Speech
Farbfotografie,
3 Lambda-Prints,
je 30 x 45 cm


13 x 19 cm; Farbfotografie, 3 Lambda-Prints auf PVC mit Text in Kartonmappe; Auflage: 8 Ex.
30 x 45 cm; Farbfotografie, 3 Lambda-Prints auf Aluminium; Auflage: je 5 Ex.

The Bellman´s Speech (001), 2007: Eine Kuh unterwegs an einem Strand in Albanien: findet sie zwischen Müll und Meer ihr Glück?
The Bellman´s Speech (002), 2008 (Objet trouvé): Matrosen auf hoher See
The Bellman´s Speech (003), 2008: Eine Kuh unterwegs auf einer Strasse in Bosnien, hinter ihr ein rauchendes Kraftwerk: ob das Glück sie findet?

Ausgestellt auf der Kunstszene Zürich, 21.12.2007–06.01.2008 (nur »The Bellman´s Speech (001)«, 13 x 18 cm im Innern von »Ohne Titel/fahrbare Badekabine«)
Ausgestellt in »Bildwelten_2« im KunstRaum R57, Zürich, 30.11.–21.12.2008