Mit:
Klara Borbély CH,
Bettina Carl CH/DE, Benjamin Egger CH, ekw 14,90 AT, Beat Füglistaler CH, Franz Gratwohl CH, Gabriela
Gründler CH, Sandra Knecht CH,
Pascal Lampert CH, Ursula Palla
CH, Sebastian Schaub CH, Rüdiger Schlömer DE/CH, Martin Senn CH, Andy Storchenegger CH, Marion Strunk CH,
Lex Vögtli CH, Silvie Zürcher CH
Veranstaltungen: Freitag, 28. Oktober 2011, 19h: Eröffnung der Ausstellung Sonntag, 30. Oktober 2011, 11–18h: Tagung »Mit Seife und Gabeln. Ermittlungen zum Glück II«, Veranstaltung in der Berlinischen Galerie Samstag, 19. November 2011, 15–18h: »Chance Mapping«, Workshop in der Ausstellung mit dem Künstler Rüdiger Schlömer Samstag, 10. Dezember 2011, 18–22h: The End is the Beginning is the End (Part II)
Konzept/Kuratorium: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit Die Ausstellung wird unterstützt von: Freier Kredit Stadt Zürich, Ernst und Olga Gubler-Hablützel
MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück 16. Januar bis 27. Februar 2011 Kunstraum Kreuzlingen
Hat jemand eine Ahnung? Wo sind die Werkzeuge, welche Rolle spielt der Zufall, ist Angst ein Antrieb, braucht es die Störung, was gilt es zu verteidigen? Ist das Glück eine launische Hure? Es ist ein Boojum, nicht wahr?
Mit Seife und Gabeln ermittelt aus gegenwärtiger Perspektive soziale,
politische und kulturelle Bedingungen für Glück. Parallelerzählung und
konzeptionelle Blaupause bilden Motive aus The Hunting of the Snark,
Lewis Carrolls Versbericht aus dem Jahr 1876 über eine Handvoll
unglücklicher Glücksuchender. In Gesellschaft von 30 Künstlerinnen
und Künstlern beschliesst data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit
seine Ermittlungen zum Glück und bündelt die Kräfte… Pressetext
Mit:
Klara Borbély CH,
Bettina Carl CH/DE, Benjamin Egger CH, ekw 14,90 AT, Fawzy Emrany DE,
Beat Füglistaler CH, Franz Gratwohl CH, GBC Gebrüder Bühler CH/DE,
Gabriela
Gründler CH, Andrea Heller CH/FR, Patricia Jacomella CH, Andrina Jörg
CH, Sandra Knecht CH,
Pascal Lampert CH, Anne Lorenz CH, Sonja Lotta CH, Andreas Marti CH,
Damir Očko HR, Ursula Palla
CH, Sebastian Schaub CH, Rüdiger Schlömer DE/CH, Nadja Schöllhammer DE,
Martin Senn
CH, Elisabeth Smolarz USA, Andy Storchenegger CH, Marion Strunk CH,
studio A CH,
Lex Vögtli CH, Edward Wright CH/GB, Silvie Zürcher CH
Veranstaltungen: Samstag, 15.1.2011, 17h Eröffnung der Ausstellung Sonntag, 23.1.2011, 16–18h: »Tour de 6«, Interviewführung durch die Ausstellung Samstag, 12.2.2011, 9–12h / 13–17h: »Happy ParaSite«, Die Entsendung mit data & Parasitäre Verstrickungen mit Rüdiger Schlömer Sonntag, 27.2.2011, 16h: »The End is the Beginning is the End«, Finissage der Ausstellung, Book Launch, Konzert: Me and the minimes
Konzept/Kuratorium: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit Die Ausstellung wird unterstützt von: MIGROS Kulturprozent, Kulturamt Thurgau
Neuer Absatz
Nadelfeld Installation, ca. 10 kg Stecknadeln, ca. 300 x 150 cm
2009: Die Stecknadeln werden zu einer präzisen form am Boden zusammengelegt, sodass das augenmerk sich auf die materiali tät der Nadeln richtet, die als gesamte fläche wahrgenommen Glanz, Schönheit und Sanftheit übermitteln und starken einfluss auf den sie umgebenden raum nehmen. auf den zweiten Blick erst, im Detail betrachtet, verweist die ansamm lung der Nadeln auf Verletzung, Schmerz, fragmentierung und anstrengung. Durch die gebrochene Spiegelfläche wohnt »Nadelfeld« eine Vorstellung von Glück als etwas Brüchiges, flüchtiges und als bloße ahnung inne. Die form dieses objekts entsteht raumspezifisch.
No Camping Fotografie, 3 Teile, je 13 x 19 cm, auf Aluminium
2009: Wie zuvor »Bootsfahrt« (2007 / 7. krampf) geht auch »No camping« von der Unter suchung eines Medienbilds aus – vom Besuch Muammar al Gaddafis bei Silvio Berlusconi im Juni 2009. Die Ästhetik nähert sich mittels fragmentierender Hilfsmittel wie Mehrfachvergrößerung, Kopie und Neumontage der Selbstdarstellung der Hauptfigur. Der Werktitel bezieht sich auf die medienwirksame Gewohnheit Gaddafis, als Gast jeweils sein Zelt aufzuschlagen, um von den kapitalistischen Staaten keinerlei Gaben empfangen zu müssen. Die drei Bildteile richten ihr Augenmerk jedoch nicht mehr auf das konkret Politische, sondern fokussieren auf drei wesentliche allgemeine Machtsymbole: roter Teppich, Opferrolle, Auszeichnungen. Hinter diesen elementen erscheint das Groteske, welches in Lewis Carrolls absurder Verserzählung eine stets auftretende Nebenwirkung der Glückssuche darstellt. Die sich anziehenden Gegensätze Sympathie und Abscheu, Eitelkeit und Grauen keimen auf und mit gebleckten Zähnen erstarrt die verzerrte Miene.
Union 96 250 x 180 cm; Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr
2009:
Über den Zeitraum der Ausstellung »Maßstab in Meilen .. .. . .... .« in der temporären Galerie mü in Zürich (28.–31.05.09) lässt data das finale Werk des
Glücksprojekts entstehen. Der Aufruf »Union 96 – Wege zum Glück« folgt
auf den 2007 angekurbelten Aufruf »Welche Farbe hat das Glück?«. Auf
der Grundlage der 96 nun vorliegenden Farbkarten versammeln sich die
jeweiligen Partizipanten vor Ort und stellen das Gründungssymbol ihres
Zusammenschlusses, basierend auf einer Sammlung von Glücksfarben, her.
Der kleine Eingriff des Einzelnen ermöglicht das kollektive hissen der
Flagge »Union 96«, gefertigt aus ebensovielen einzelnen Stoffstücken.
Das Objekt steht Carrolls 5. Krampf, «Die Lektion des Bibers«, nahe —
der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Schlachter und Biber, deren
Ursprung eher in der kollektiv empfundenen Angst denn im gegenseitigen
Mitgefühl zu finden ist. Nur von Stecknadeln zusammengehalten, weisen
die Stoffstücke zwar auf die Fragilität des großen humanen Projekts der
Gemeinschaft, das Hissen der Flagge als Akt jedoch gibt den Wert der
leeren Karte der Statuierung einer willkürlichen Ordnung preis,
innerhalb der nur einige wenige ihren Platz finden werden. »Union 96«
bedient das zweifelhafte Ein- und Ausschlussverfahren unserer
Demokratie und wird errichtet auf dem schmalen Grat zwischen
Geborgenheit und Nationalismus.
2009: Für »Maßstab in Meilen .. .. . .... .« hat data
fünf Künstlerfreundinnen und -freunde mit dem Begehren eingeladen,
innerhalb einer Zeitspanne von vier Wochen mittels zwei ausführlichen
Gesprächsrunden zunächst zu einem Ausstellungskonzept, in der Folge zu
einer Reihe neuer Arbeiten und schließlich zu einer Ausstellung zu
gelangen, deren zentrales Anliegen nebst den Werken die persönliche
Anwesenheit am Ort sein soll. Mit dem einzigen bereits bestehenden Werk
der Ausstellung — dem Foto-Triptychon »The Bellman’s Speech« — hat data
eine erste Markierung gesetzt. Hernach bestand die Herausforderung
darin, gemeinschaftlich ein konzeptionelles Vehikel in Bewegung zu
setzen. Der in der Ausstellung sichtbare leere Rahmen wahrt die
Autonomie des einzelnen Werks und schafft gleichermaßen
Verbindungslinien, die den zugrundeliegenden Diskurs noch einmal
andeuten sollen.
»Union 96 – Wege zum Glück«, Gäste-Aufruf zur Partizipation am Objekt;
»Union 96«, Stoffe, Stecknadeln, Kupferrohr, ca. 250 x 180 cm
2009: Eine Intervention von «data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» im Rahmen der Reihe «ZwischenSpiele». Für
sechs Nächte verwandelt sich der Kunstraum in eine Schlaf-, Traum- und
Arbeitsstätte, in der sechs Gäste dem permanenten Mangel an
transzendenten Erlebnissen nachforschen, um so kreative Praktiken
zwischen Cis-, Meta- und Trans-Zuständen gegen das Unglücklichsein zu
erproben. Am jeweiligen Morgen danach sind Interessierte eingeladen, am
schöpferischen Potential der vergangenen Nacht teilzuhaben. Über den
Zeitraum der Intervention ist die Videoinstallation «Traum I» von außen
zu sehen. «data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» entwickelt und
untersucht parasitäre Strategien in Kunst und Theorie – der Gast
erbringt seinem Wirten also ebenfalls einen Dienst. »Der unberechenbare
Zeuge«, ein Kopiererprodukt, erfasst das Material dieser sechs Nächte
und wird am letzten Abend von CARPE NOCTEM! präsentiert.
«data |
Auftrag für parasitäre* Gastarbeit» arbeitet derzeit an einem Werkkomplex über Glück, dessen Bestandteil auch CARPE NOCTEM! ist.
Den einzelnen, dieser «Jagd nach dem Glück» entspringenden Arbeiten
liegt die absurde Erzählung «Die Jagd nach dem Schnatz, eine Agonie in
8 Krämpfen» von Lewis Carroll zugrunde. Diese berichtet von einer
außergewöhnlichen Schatzsuche: Die Anwesenden – Captain, Makler,
Bankier, Hutmacher, Billard-Markör, Bäcker und Biber – befinden sich
mit Hilfe einer leeren Ozeankarte auf der Suche nach dem «Schnatz»,
worunter das Glück zu verstehen ist. Die Erzählung stellt das Empfinden
und die Herangehensweise jedes einzelnen Protagonisten während dieser
Jagd in den Vordergrund.
Die Nacht-Installation CARPE NOCTEM!
folgt dem 6. Krampf «Der Traum des Anwalts» und bildet einen Hort
zwischen Intimität und Öffentlichkeit mit dem Zweck der Selbst- und
Fremdbeobachtung, um in der Einsamkeit einer kalten Winternacht der
Frage nachzuforschen: Are you happy?
2009:
Die Arbeit »Traum 1« wurde im Rahmen der Intervention »CARPE NOCTEM!«
im KunstRaum R57 gezeigt. Die auf das Fenster projizierte und von außen
wie innen gleichermaßen sichtbare Videoarbeit »Traum I«, hinter der
sich »CARPE NOCTEM!« abspielt, zeigt über die gesamte Ausstellungsdauer
eine Traumsequenz, in der sich eine Frau scheinbar endlos Stecknadeln
aus dem Mund zieht und dabei zunehmend in Panik gerät. Ein solcher
sogenannter indirekter Angsttraum tritt in Stresssituationen als
unberechenbarer Zeuge von unterbewussten Verarbeitungsprozessen auf.
Die Stecknadeln werden in Richtung des zweiten Fensters abgelegt, das
eine bergartige, mit Stecknadeln besetzte Seifenplastik »Stele I« zeigt. Aus
Resten des Seifen-Objekts »84« (06.2007) entstanden, verweist dieses
Objekt – wie die Vanitas-Gegenstände und die Nacht selbst – auf die Vergänglichkeit des Daseins.
Stelen Installation, Glycerinseife, Stecknadeln, mehrere Objekte, max. 30 x 15 x 60 cm
2009: Die Gruppe dieser Seifenelemente bildet das Restmaterial von »84« (2007/ 8. Krampf), einer Arbeit für den Außenraum in Form einer Grabplatte. Die sieben Stelen greifen, nicht zuletzt auf formaler Ebene, das thema des Werdens und Vergehens noch einmal auf. Abgesehen von den Stecknadeln in »Stele I« wurden die Seifenblöcke nicht bearbeitet, sondern lediglich aus den resten der grabplatte heraus- geschnitten. Wenn die Aura des Objekts erhalten ist, wohnen in diesen Stücken wiederum die Empfindungen Verletzung, Schmerz und Trauer inne – verzichten jedoch darauf, noch einmal auf ein biographisches Moment zu verweisen. Die »Stelen« sind nur Form – abstrakte Solitäre.
84 Seifenskulptur 100 x 100 x 15 cm, Glycerinseife, Bronze
2007: Die Arbeit »84« steht für das letzte, achte Kapitel des Zyklus »Jagd nach dem Glück« (siehe auch unter 29° angefangen)und
unterliegt dem Gedanken des Memento Mori, dem Satz »Bedenke, daß du
sterben mußt«. In Lewis Carrolls Fabel »The Hunting of the Snark« gibt
es ein Schlüsselzitat, aus welchem wir die Idee, Seife als Material
einzusetzen, entlehnen: »Sie suchten mit Handschuhn - und suchten mit
Plan; Sie jagten mit Hoffnung und Gabeln; Sie bedrohten sein Leben mit
Aktien der Bahn; Sie lockten mit Seife und Fabeln.« Die Seifenskulptur
»84« wurde für den öffentlichen Raum konzipiert. Uns interessierte die Vergänglichkeit bzw. Haltbarkeit des Materials. Mittels
der visuellen Erscheinung einer Grabsteinplatte, versehen mit einem
aktuellen Todesjahr einer weiblichen Person, wollten wir eine reale
Biografie aufscheinen lassen, die womöglich auch die unsrige oder die
der Betrachterin sein könnte. Eine Frau in der Schweiz hat 2007 laut
dem Bundesamt
für Statistik eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84 Jahren.
Davon ausgehend, dass die Durchschnittsfrau im aktuellen Jahr 2007
sterben wird, recherchierten wir auf Zürichs größtem Friedhof
'Sihlfeld' nach sämtlichen bereits verstorbenen Frauen aus dem
Geburtsjahrgang 1923. Aus allen vorgefundenen Namen ermittelten wir den
häufigsten: TRUDI. Wir notierten uns die Vornamen aller 123
aufgefundenen weiblichen Vornamen und ermittelten den häufigsten: Dicht
gefolgt von Maria und Anna überragte der Name Gertrud bzw. Trudi. Die Inschrift lautet demnach TRUDI 2007–1923.
Auszug aus dem Konzept:
Die Jagd nach diesem Glück, die Hatz nach etwas Besserem, Höherem,
Weiterem wird in der Erzählung von Lewis Carroll ad absurdum geführt,
da schlußendlich derjenige, der das sogenannte Glück findet, sich in
Luft auflöst, stirbt:
»Gerade mitten im Wort, das er halb schon gesagt, Gerade mitten im Glück offenbar Wurd´er leise zu Luft, wie ein Traum, der verpufft –« Lewis Carroll, The Hunting of the Snark
Die
Seifenplastik lehnt sich an diesen Gedanken Carrolls an, auf unseren
Traum verweisend, der wohl ebenso irgendwann verpuffen wird. Was genau
in diesem Moment des höchsten Glücksempfindens geschieht bleibt offen und der Rezeption des
Betrachters überlassen. Mit unserer hier vorgestellten Arbeit rollen
wir Carrolls Geschichte der Glückssucher von hinten wieder auf, indem
wir den Betrachter unmittelbar mit seinem eigenen Ableben
konfrontieren. Wir legen das Sterbedatum auf den Beginn der
Ausstellung und provozieren damit (wenn es glückt) eine
Zurückverfolgung einer möglichen Biographie unserer fiktiven beerdigten
Person – zurückgeworfen auf die eigene. Die Seife als Material
unterstützt die Thematik der Vergänglichkeit. Der Witterung ausgesetzt,
wird sie stetig weniger, und die Spuren des Individuums werden
verwischt und weggeputzt. Regenwetter breitet den besetzten Meter
schließlich aus und er setzt sich fort. Gleich einem parasitären
System heftet sich die Masse an den Vorbeigehenden fest. Die gleitende
und rutschige Eigenschaft der Seife vermittelt Unsicherheit,
verlangsamt den Schritt. Man hält inne, achtet auf seinen Schritt,
bemerkt eine Störung im Vertrauten. Als Werkzeug der Reinlichkeit
kann man die Seife gleichzeitig als Metapher der Suche nach dem Glück
behandeln: man erhofft sich eine kathartische Wirkung, die zur
ersehnten »Reinheit des Gewissens« führt, zu einem inneren
Gleichgewicht. Ist die Seifen-Grabsteinplatte schlußendlich verwittert,
bleiben lediglich die metallenen Buchstaben zurück. Die Körperlichkeit
tritt zugunsten der Erinnerung an das Erlebte, an eine Person oder an den Ort, zurück. Die Erinnerung daran aber fabuliert weiter und eröffnet Freiräume für eigene Glücks- und Überlebensstrategien.
Das
Seifenobjekt lag unter freiem Himmel am Seeufer des Zürichsee im Areal
der Roten Fabrik. Es unterlag somit einem herbeigeführten
Verfallsprozess zwischen Sonne, Regen und Langfingrigkeit. Die Seife wurde von der Firma permatin AG – Seifenkultur hergestellt und gesponsort.
Ausgestellt am Seeufer beim Kulturzentrum Rote Fabrik in Zürich im Rahmen des internationalen Theaterfestivals »OKKUPATION!«, 05.–17.06.2007
84 / Modell 1:5 20 x 20 x 5 cm; Glycerinseife, Bronze; auf Sockel
2007:
Die Arbeit »84/Modell 1:5« ist innerhalb des Projektzyklus' »Jagd nach
dem Glück« eine weitere memento-mori-Studie, welche im Seifenobjekt
»84« ihren Anfang nahm. An die Stelle der Skulptur »84«, welche für den
Verfall bestimmt war und in der ursprünglichen Fassung nicht mehr
existiert, tritt ein Modell im Maßstab 1:5, das nachträglich aus der
restlichen Seife der ursprünglichen Skulptur entstanden ist. Durch die
Präsentation im musealen Raum wird das Objekt dekontextualisiert und
erfährt Schutz. Der Aspekt der Reinheit rückt in den Vordergrund.
Soap To Use ca. 5 x 5 x 1 cm; Glycerinseife mit Prägung; 50 handgefertigte Multiples
2007:
»Soap to Use« sind aus dem Rest des Seifenobjekts »84«
herausgeschnittene kleine handsame Waschstücke für den täglichen
Gebrauch in limitierter Auflage. Die Prägung mit der Inschrift »TRUDI
2007–1923« verweist auf das übergeordnete Thema des Projektzyklus’
»Jagd nach dem Glück«. Der Zyklus lehnt sich an Lewis Carrolls Fabel
»Hunting of the Snark« an. Diese berichtet von einer außergewöhnlichen
Schatzsuche: Die Anwesenden, ein Captain, Makler, Bankier, Hutmacher,
Billard-Markör, Bäcker und ein Biber, befinden sich auf der Suche nach
dem »Schnatz«, worunter nach Carrolls Worten das Glück zu verstehen
ist. Die Erzählung stellt das Empfinden und die Herangehensweise
jedes einzelnen Protagonisten, während dieser Jagd nach dem Glück, in
den Vordergrund. Wir bedienen uns des Nonsense-Gedichts und versuchen
eine Form der Neubearbeitung. Die Fabel ist in acht Kapitel
untergliedert und sie trägt die Unterzeile »Agonie in acht Krämpfen«.
»Soap To Use« steht in engem Zusammenhang zu dem Objekt »84«, das im
Juni 2007 im Rahmen des internationalen Theaterfestivals OKKUPATION! in
Zürich gezeigt wurde. Durch die handsamen Waschstücke »Soap To Use«
erhält die Arbeit »84« eine Zuspitzung: Das Gedankenspiel des memento
mori wird weitergetragen – hinein an private Waschbeckensituationen und
verknüpft mit individuellen haptischen Erlebnissen. »Soap to Use« ist
ein Waschstück aus Glycerinseife.
Ausgestellt in »Bildwelten_1« im KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007 Ausgestellt in »Utopie des Raums« am Kyrgyz National Museum of Fine Arts in Bishkek; 25.03.–10.04.2008
Blick zurück nach vorn Seife 001–004
15 x 19 cm; Fotografie auf Textil gedruckt
2007:
»Blick zurück nach vorn I« zeigt Szenen aus dem alltäglichen Umfeld:
ein an der Wiese lehnendes Fahrradpaar, eine Hortensienblüte, ein
Duschbad oder eine Nachtaufnahme einer Stadt. In jeder Szene befindet
sich ein Reststück des Seifenobjekts »84«. An dieser Arbeit
interessiert uns einerseits die Ästhetik des Materials Seife, ihre
unmittelbare haptische wie diaphane Qualität. Andererseits fasziniert
uns die alltägliche Auseinandersetzung mit dem Gedanken an das »memento
mori« – an die eigene Sterblichkeit; an die stete Befragung nach der
Zufriedenheit mit der eigenen Biografie. Wie entwickelt sich der Blick
auf die Umgebung, hält man sich diesen Gedanken stets bewusst aufrecht;
ist es der extraordinäre Blick auf das Schöne, sinnlich Erfahrbare,
womöglich einmalige und letzte Erleben eines Ereignisses? In der
ersten Empfindung erscheinen die abgebildeten Bildwelten aufgeräumt,
solid, belanglos. Auf den zweiten Blick wird diese erste trügerische
Sicht brüchig: Was hat dieser undefinierbare Block im Bild zu bedeuten,
was ist das? Durch die Anwesenheit der Seife entsteht eine
Komplizenschaft zwischen der Bildwahrheit und dem »memento mori«,
aufgedrängt durch den Verweis auf das Flüchtige und Vergängliche –
durch Eigenschaften, die der Seife immanent sind. Die ästhetische,
beinah idyllische Darstellung dient hier als Vehikel einer
Tiefenschärfe jenseits von flüchtiger und scheinbarer Belanglosigkeit.
Ausgestellt in »Bildwelten_1« im KunstRaum R57, Zürich, 01.–23.12.2007 Ausgestellt auf der »Kunstszene Zürich«, 21.12.2007–06.01.2008
Bootsfahrt Videomontage mit Tonspur, Farbe, 2:48 Minuten
Die
Animation zeigt zwei Varianten einer Glückssuche, verwoben durch die
Art der Gefühle, die um Hoffnung, Erwartung, Scheitern, Enttäuschung,
Langeweile und Bangen des Wartens kreisen. Die Klänge plätschernden
Wassers und die Vaporetti in den Kanälen Venedigs suggerieren
unbestimmtes Warten in angenehmer Trägheit. Für einen Augenblick nur
drängt sich die Vorstellung von einem überfüllten Flüchtlingsboot auf:
Eine hoffnungsvolle Suche nach dem Glück gepaart mit Todesangst. Die
Tonspur geht über in die Realität, welche auf die Flüchtlinge wartet,
die das vermeintliche Glück ergreifen können. »Bootsfahrt« wurde im
Innern der fahrbaren Badekabine präsentiert.
Ausgestellt auf der Kunstszene Zürich; 21.12.2007–06.01.2008 Ausgestellt auf der »Regionale 9« in der Kunsthalle Basel; 30.11.2008–04.01.2009
The Bellman´s Speech Farbfotografie, 3 Lambda-Prints, je 30 x 45 cm
13 x 19 cm; Farbfotografie, 3 Lambda-Prints auf PVC mit Text in Kartonmappe; Auflage: 8 Ex. 30 x 45 cm; Farbfotografie, 3 Lambda-Prints auf Aluminium; Auflage: je 5 Ex.
The Bellman´s Speech (001), 2007: Eine Kuh unterwegs an einem Strand in Albanien: findet sie zwischen Müll und Meer ihr Glück? The Bellman´s Speech (002), 2008 (Objet trouvé): Matrosen auf hoher See The
Bellman´s Speech (003), 2008: Eine Kuh unterwegs auf einer Strasse in
Bosnien, hinter ihr ein rauchendes Kraftwerk: ob das Glück sie findet?
Ausgestellt auf der Kunstszene Zürich, 21.12.2007–06.01.2008 (nur »The Bellman´s Speech(001)«, 13 x 18 cm im Innern von »Ohne Titel/fahrbare Badekabine«) Ausgestellt in »Bildwelten_2« im KunstRaum R57, Zürich, 30.11.–21.12.2008