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Werkkomplex zum Glück
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++++++++++++++ AKTUELL: data zu Gast bei FeldForschung vol. 3 »Glück gehabt« Ausstellung 01.09–6.10.2013 ++++++++++++++

Das Glück scheint gemäss dem Versprechen des Neoliberalismus allgegenwärtig zu sein. Doch kann es sein, dass diese Versprechungen unerfüllt geblieben sind? Die Glücksforschung ist zu einem zentralen Forschungsthema geworden. Blosse Konsumwut in kapitalistischen Zeiten löst ebenso wenig das Versprechen auf anhaltendes Glück ein wie die Jagd, danach zu trachten. Vielleicht aber findet sich das Glück in der Natur, in der Kontemplation, im Eins-Sein mit sich selber. Angesichts der gewachsenen gesellschaftlichen Komplexität werden aber auch hier die politischen, sozialen, gesellschaftlichen Spannungsfelder um Gewinnmargen, Produktionsbedingungen, gegenseitige Rücksichtnahme und bewusstem Umgang mit natürlichen Ressourcen öffentlich verhandelt.

Das Kunstprojekt FeldForschung nimmt sich dieser Thematik an und hat das Ziel, mittels künstlerischer Forschungsvorhaben neue Erkenntnisse hinsichtlich der Lebensqualität in diesem ländlichen Räumen zu gewinnen. Die künstlerische Praxis untersucht auf Erkenntnisinteresse basierende Fragestellungen zu historischen, gesellschaftlichen und politischen Phänomenen dieser Gegend, unter Einbezug der thematischen Klammer „GLÜCK GEHABT“.
FeldForschung fragt nach den Formaten, die von KünstlerInnen entwickelt werden können, um innerhalb solcher Themen- und Konfliktfelder neue Handlungs- und Denkräume zu öffnen. Welches sind die Strategien, Verfahren, Bedingungen und Prozesse der Kunstproduktion unter dem Einbezug der Gegend Bucheggberg und ihren Bewohnern? Im Rahmen der Ausstellung im Kellergwölbe von Schloss Kyburg, Buchegg SO werden vom 1.9. – 6.10.2013 die Ergebnisse der künstlerischen Forschung präsentiert. (Béatrice Bader Sollberger)


»hau DER LOHNENDE TAUSCH«
Ein Projekt von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit
im Rahmen von »FeldForschung vol. 3 – Glück gehabt«


»hau DER LOHNENDE TAUSCH« rechnet mit Zeit. Durch Ihr Ausfüllen eines Fragebogens kann der Tauschhandel beginnen. Dadurch wird ein Zeiterfassungssystem angestossen, das jenseits von globalen Finanzmärkten und intransparenten virtuellen Geflechten wachsen kann. Eine Stunde Arbeit ist eine Stunde ist eine Stunde ist eine Stunde… : Mit der Wertschätzung eines zeitlichen Aufwandes wird dem eigenen Dasein Sorge getragen, welches schliesslich in seiner Endlichkeit mit ebendieser Zeit rechnet. Nicht nur Arbeit gegen Arbeit, nicht nur Ware gegen Ware tauschen, sondern vielmehr den Wert von Zeit aktiv verhandeln ist Ziel dieses Tauschs. »hau DER LOHNENDE TAUSCH« rechnet mit Zeit und Anwesenheit. Das Wort »hau« beschreibt das Herzstück dieses Tauschs: den Wert einer geschenkten Sache, der mit jedem Aus–Tausch erneuert, erhalten und vor allem geschätzt wird. »hau DER LOHNENDE TAUSCH«rechnet mit Zeit und Anwesenheit und Dialog.

MITMACHEN LOHNT SICH
Wer mitmachen möchte kann sich an unsere Komplizinnen und Komplizen am Bucheggberg wenden! (siehe Liste bzw. Karte)

Komplizen: http://geo-maps.net/de/maps/2286
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Hat jemand eine Ahnung? Wo sind die Werkzeuge, welche Rolle spielt der Zufall, ist Angst ein Antrieb, braucht es die Störung, was gilt es zu verteidigen? Ist das Glück eine launische Hure? Es ist ein Boojum, nicht wahr?
MIT SEIFE UND GABELN ermittelt aus gegenwärtiger Perspektive soziale, politische und kulturelle Bedingungen für Glück. Parallelerzählung und konzeptionelle Blaupause bilden Motive aus The Hunting of the Snark, Lewis Carrolls Versbericht aus dem Jahr 1876 über eine Handvoll unglücklicher Glücksuchender.
Mit dieser Unternehmung in vier Teilen beschliesst data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit seine Ermittlungen zum Glück und bündelt die Kräfte…

MIT SEIFE UND GABELN – Ermittlungen zum Glück
Eine Publikation von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit (Hg.)

Erscheinungsdatum: 27.02.2011; enthält: 30 Künstlergespräche und
Statements; Gastbeiträge von Christine Abbt, Michael Hampe, Gesellschaft
des Glücks der Verfehlung (Bazon Brock, Volker Demuth, Jso Maeder,
Robert Pfaller); Werkkomplex zum Glück 2007–2010 von data | Auftrag
für parasitäre* Gastarbeit. Umfang: 24x16 cm, 208 S., 74 Abb. s/w;
Poster mit 30 Werkabb. in Farbe.
ISBN 978­3­86895­357­2
Verkaufspreis: 22 EUR/28 CHF zuzügl. Versand
Bestellung: Revolver Publishing oder Nachricht an gast@menuedata.net

Die Realisierung wurde ermöglicht durch Mittel des Lotteriefonds des Kantons Thurgau.


MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück II

29. Oktober bis 10. Dezember 2011
Substitut – Raum für aktuelle Kunst aus der Schweiz, Berlin

Konzept/Kuratorium: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit

Künstlerinnen & Künstler:
Klara Borbély CH, Bettina Carl CH/DE, Benjamin Egger CH, ekw 14,90 AT, Beat Füglistaler CH,
Franz Gratwohl CH, Gabriela Gründler CH, Sandra Knecht CH, Pascal Lampert CH,
Ursula Palla CH, Sebastian Schaub CH, Rüdiger Schlömer DE/CH, Martin Senn CH,
Andy Storchenegger CH, Marion Strunk CH, Lex Vögtli CH, Silvie Zürcher CH

Veranstaltungen:
28.10.2011: Eröffnung der Ausstellung
30.10.2011: »Ermittlungen zum Glück II«, Tagung in der Berlinischen Galerie
19.11.2011: »Chance Mapping«, Workshop mit Rüdiger Schlömer
10.12.2011: The End is the Beginning is the End (Part II)

Pressetext

Die Ausstellung wurde ermöglicht dank Unterstützung durch den Freien Kredit der Stadt Zürich sowie die Ernst & Olga Gubler-Hablützel Stiftung.

MIT SEIFE UND GABELN – Ermittlungen zum Glück II
Eine Tagung zum Glück
Sonntag, 30. Oktober 2011
Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Die Tagung erweitert die Ausstellung »Mit Seife und Gabeln« und ermittelt aus gegenwärtiger Perspektive philosophische, kulturelle und künstlerische Bedingungen für Glück und dessen Verfehlung. Fünf Gastbeiträge nähern sich mit den Mitteln des Vortrags, der Diskussionsrunde, filmisch oder anhand einer Werkpräsentation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mit viel Tempo und Charme halten jugendliche Poetry Slammer die Fäden des Tages in den Händen und klopfen ihren Berliner Kiez auf dessen Glückspotenzial ab.

Konzept/Durchführung: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit

Gäste:
Bettina Carl: Künstlerin, Zürich/Berlin
Gesellschaft des Glücks der Verfehlung: Bazon Brock, Kunstvermittler, Wiesbaden;
Jso Maeder, Künstler, Zürich; Volker Demuth, Schriftsteller, Berlin;
Mikrokosmos, »Das Glück an meinem Ort«: Poetry Slam Contest mit 5 Jugendlichen aus Berlin,
organisiert/moderiert von Sarah Bosetti und Daniel Hoth, Berlin
Radostina Patulova: Philosophin/Mediatorin, Wien
rebell.tv: Stefan M. Seydel und Tina Piazzi, Social Networker, Berlin/Disentis/Bozen

Begleittext

Die Tagung wurde unterstützt von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia sowie der Berlinischen Galerie.

MIT SEIFE UND GABELN – Eine Ausstellung zum Glück
16. Januar bis 27. Februar 2011
Kunstraum Kreuzlingen

Konzept/Kuratorium: data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit

Künstlerinnen & Künstler:
Klara Borbély CH, Bettina Carl CH/DE, Benjamin Egger CH, ekw 14,90 AT, Fawzy Emrany DE, Beat Füglistaler CH,
Franz Gratwohl CH, GBC Gebrüder Bühler CH/DE, Gabriela Gründler CH, Andrea Heller CH/FR, Patricia Jacomella CH,
Andrina Jörg CH, Sandra Knecht CH, Pascal Lampert CH, Anne Lorenz CH, Sonja Lotta CH, Andreas Marti CH,
Damir Očko HR, Ursula Palla CH, Sebastian Schaub CH, Rüdiger Schlömer CH/DE, Nadja Schöllhammer DE,
Martin Senn CH, Elisabeth Smolarz USA, Andy Storchenegger CH, Marion Strunk CH, studio A CH, Lex Vögtli CH,
Edward Wright CH/GB, Silvie Zürcher CH

Veranstaltungen:
15.1.2011: Eröffnung der Ausstellung
23.1.2011: »Tour de 6«, Interviewführung mit den Kuratorinnen und 6 Künstlern
12.2.2011: »Happy ParaSite«, Eine Entsendung auf dem Bodensee mit data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit
»Parasitäre Verstrickungen« mit Rüdiger Schlömer
27.2.2011: »The End is the Beginning is the End«, Book Release und Konzert mit Me and the Minimes, Zürich

Pressetext

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Unterstützung von MIGROS Kulturprozent, Ernst & Olga Gubler-Hablützel Stiftung, Kulturamt Thurgau sowie der Thurgauischen Kunstgesellschaft.

















Samstag, 12. Februar 2011, 9–12 Uhr: Happy ParaSite – Die Entsendung
Am Vormittag des 12. Februar wurde unter Anleitung von data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit dreimal ein Vermessungsritual bestehend aus 480 Schritten und der jeweiligen Anbringung eines Objekts aus Knicklichtern durchgeführt. An der tiefsten Stelle des Bodensees wurde zudem einmalig die Opferung einer goldenen Kugel aus Pappmaché deren Inhalt ein rohes Ei war vorgenommen. An der Entsendung nahmen 9 Personen teil. »Ganz der Platz für 'nen Schnatz. Ich hab's dreimal gesagt: Was ich dreimal Euch sage, ist wahr.« (Lewis Carroll, 1. The Landing)
Inmitten des Bodensees befindet sich die vorläufig einzige Gegend in Europa, in der zwischen den Nachbarstaaten nie eine Grenz­ziehung festgelegt wurde. Die Grenze zwischen den Anrainerstaaten basiert seit je her auf Gewohnheitsrecht. Ab 25 Metern Seetiefe befinden wir uns zudem auf Hoher See. Die maximale Tiefe liegt bei 254 Metern südwestlich von Immenstaad. »Eine riesige Karte, gekauft für die Reise, Hatt' der Captain immer dabei. Sie zeigte das Meer, und die Crew fand es weise, Daß nur Meer und sonst nichts auf ihr sei.« (Lewis Carroll, 2. The Bellman's Speech)













Samstag, 12.2.2011, 13–17h
: Happy ParaSite – Parasitäre Verstrickungen mit Rüdiger Schlömer
Weitere »Chance Buttons« und ergänzendes Reflektorgarn verstreuten sich in Kreuzlingen – leise, unbemerkt, unauffällig – um dort auf ihre fotoparasitäre Aktivierung zu warten. Die Route führte vom Kunstraum zum Beobachtungsturm. Auf dem Weg fanden sich verschiedene Flächen und Objekte, Sonnenschirme, Bauzaungewebe, Pflanzenranken, die sich als Andockstelle und Träger der Fotoparasiten anboten. Mittels Näh-, Häkel- und Stricknadeln oder mit einfachen Knoten und Wickelungen wurden sie dort angebracht. Beweisfotos wurden in der Dämmerung gemacht, bevor die leisen Zeichen dem fotografischen Zufall überlassen wurden.









Samstag, 15. Januar 2011: Eröffnung
Spectral Revolution, Performance zur Eröffnung von Benjamin Egger
mit Alicia Vargas und der Hilal Dance-Gruppe von Yvette Mimona Fatma
Foto: ©andreaslehner.com


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data | Auftrag für parasitäre* Gastarbeit ist ein Theorie- und Kunstprojekt
und betreibt Ermittlungen über das hartnäckig-formidable und kreative Potential des Parasitären Prinzips.
Das Parasitäre Prinzip (PP) bezeichnet die von data entwickelte und praktizierte Arbeitsweise und dient als Werkzeug
eines künstlerisch-theoretischen Intervenierens in gegenwärtige Kontexte.

Depot data | Zürich und Depot data | Basel sind reale Orte,
an welchen das Material geschaffen und gelagert wird.
Gast data
transportiert die Arbeiten von data in eine ortsspezifische Öffentlichkeit.
menuedata
ist die ortfreie leere Karte des Worldwideweb und
verzeichnet und veröffentlicht sämtliche Arbeiten und Aufrufe.

* transdisziplinäre textuelle verführende ambivalente poetische groteske hartnäckige formidable geiles-Zeug- theoretische kreative heute-dies-morgen-das- konfrontierende mitspeisende post-

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Was ist das Parasitäre Prinzip? (Abstract)

1. Um einen Anfang zu setzen: Wir befinden uns in einer vorgegebenen Situation, die in unserem Umfeld stattfindet. Neben der Menge von Dingen, die um uns herum und täglich geschehen, gibt es eine Situation, auf die wir aufmerksam werden. Sozusagen eine Para-Situation, mit der wir uns konfrontiert sehen, da sie anders als gewohnt in Erscheinung tritt. Wir nehmen das andere wahr, doch im Dickicht der Ereignisse und Normen läuft es Gefahr, dass man es aus den Augen verliert. Die Dinge gehen ihren Gang, die Situation ist längst Ereignis, vielleicht schreibt sie sich in die Erinnerung fest.

Eine Form der Protokollierung von Situationen und der Navigation in diesem Ereignismeer, ist der Gebrauch der leeren Karte(*1). Ihrer topographischen Anordnung nach, ist die leere Karte funktionslos, schließlich - ihr Name sagt es bereits - ist sie leer. Ebenso sind die außenstehenden Koordinaten nicht bestimmten Punkten zugeordnet, sondern verweisen auf vage, ungewisse Bereiche. Aufgrund dieser topographischen Ungebundenheit entsteht ein Freiraum für Handlungsmöglichkeiten, ein Spielraum des Blicks und eine Freiheit des Navigierens.

Paradoxerweise bietet die Karte dennoch eine Orientierungshilfe. Aber nicht eine an bestehenden Koordinaten und Systemen, sondern vielmehr eine Leitplanke für Erfahrungen und Vermögen zur Unterscheidung. Dadurch, daß die Leere keinen bekannten Wert enthält, ist der Benutzer zwangsläufig ein Fremder im System und nimmt die Dinge um sich herum mit einem fremden Blick wahr. Zur Orientierung ist eine distinktive Methodik notwendig.
Das Parasitäre Prinzip orientiert sich anhand der leeren Karte.

2. Wir nennen die Methode das groteske Werkzeug. Das Groteske bezeichnet etwas Randständiges, etwas, das sich nicht im Inneren der kulturellen Formation bewegt, sondern den Rahmen dieser Kultur beschreibt. Das Groteske beschreibt die Darstellung des zugleich Monströs-Grausigen und Komischen, des gesteigert Grauenvollen, welches gleichzeitig lächerlich erscheint. Der groteske Stil ist dadurch gekennzeichnet, daß er scheinbar Unvereinbares verbindet. Diese ambivalenten Marginalien aufzuspüren und ins Zentrum des Interesses zu rücken, ist die Aufgabe des grotesken Werkzeugs. Mit dem auf diese Weise herbeigeführten Vermögen zu Unterscheiden, ist es möglich, mit dem Sinnbild der leeren Karte die bestehende kulturelle Ordnung kritisch zu reflektieren.
Das Parasitäre Prinzip konstruiert seine Anfänge aufgrund fremder und ambivalenter Randerscheinungen innerhalb des näheren gesellschaftlichen Umfelds.

3. Nun setzt die produktive Phase ein. Ist das Thema gefunden, tritt das zweite Werkzeug in Kraft: das poetische Werkzeug. Das Wort "poiesis", in seinem Ursprung verwendet, bezeichnet Machen, Verfertigen und steht für ein freies Schöpfertum. Das poetische Werkzeug hebt die klare Trennung von gesicherten Fakten und ungesicherten Fiktionen auf: Faktische Information und fiktive Erzählung beginnen sich zu vermischen. In diesem sich neu formierenden Konstrukt entsteht die Grundlage für den Imaginationsraum, ein flexibles gedankliches Gebilde, das den Blickwinkel auf die eigene Lebenswelt, auf Identität, Heimat, Alltag und Landschaft verschiebt. Für das Parasitäre Prinzip stellt der Imaginationsraum einen immateriellen Mehrwert dar.

Das Parasitäre Prinzip hebt die Trennung von Fakt und Fiktion zugunsten des Imaginationsraums und des daraus resultierenden immateriellen Mehrwerts auf. Das poetische Werkzeug leitet den schöpferischen Prozess ein, und die anfängliche Idee wird in eine Gestalt transformiert. Das ästhetische Medium ist frei wählbar und nicht im Vorfeld definiert. Es kann ein Buch sein oder ein Text, eine Ausstellung oder ein Bild, Installation oder Performation, ... Entscheidend ist, daß mit dem Akt des Transformierens ein Handeln einsetzt, welches nach Außen in Erscheinung tritt. Die Handlung verdeutlicht das kritische Reflektieren einer kulturellen Erscheinung. Das Auftauchen des Parasitären Prinzips durch die Handlung gebiert wiederum eine neue Para-Situation, die ein Kippmoment zwischen Verführung und Ekel erzeugen kann.

Das Auftauchen wird schließlich als Markierung in der leeren Karte verzeichnet, wodurch es einen Ort der Erinnerung erhält. Der neu kartographierte Raum der leeren Karte wird zum poetischen Raum. Das Kartographieren bietet eine Möglichkeit der individuellen Welterfahrung und füllt die mit Fakten versehene Leere mit Erzählungen, mit privatem Raum.
Die Arbeitsweise des Parasitären Prinzips generiert ästhetisches Handeln und kann ein Kippmoment zwischen Anziehung und Abstoßung auslösen.

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*1  Die Geschichte der leeren Karte beruht auf der Erzählung Hunting of the Snark von Lewis Carroll (1876). Hier wird von einer Ozeankarte ohne jede Eintragung berichtet. Allein der Untertitel OCEAN CHART und die Worte NORD, OST, WEST, LÄNGE, BREITE, ÄQUATOR, HEISSE ZONE, SÜDPOL, TAG- UND NACHTGLEICHE, usw., die den Rahmen außerhalb der eigentlichen Karte beschreiben, lassen die Leere im Innern zur Kartographie werden. Auch die üblichen Angaben zu MAßSTAB IN MEILEN lassen keine Konkretion in der Vermessung des Ozeans zu, da sich die Angaben auf die Punktfolge … . ... beschränken. Die Mannschaft des Kapitäns, der diese Karte als Navigationshilfe mit an Bord brachte, war überglücklich mit dieser Leere; konnte doch selbst der einfachste Seemann diese Karte verstehen. Die perfekte und absolute Leere wird gefeiert und als neu und unkonventionell begrüßt, bricht sie doch mit den alten Konventionen der ozeanographischen Vermessung. Nicht Orientierung wird hier angestrebt, sondern Ortlosigkeit. Ozean als Ozean, und der Kapitän verlässt sich nur auf ein Zeichen, um seine Glocke zu läuten. Ein Geräusch, das in der trostlosen Weite des Meeres lediglich eine akustische Spur der Anwesenheit hinterlässt… Trotz der vermeintlichen Unsinnigkeit dieser Karte, kommt sie doch der Erfahrung auf dem Meer näher als jede noch so genaue Kartographie. Mitten auf dem Meer sind Längen- und Breitengrade, Küstenstreifen und Inseln vage Vermutungen und Karten bleiben wissenschaftliche Abstraktionen auf höchstem Niveau. Das Gefühl der beeindruckenden Einsamkeit angesichts der grenzenlosen Weite wird in Carrolls Karte wunderbar eingefangen und vermittelt. Die Karte ist ein Sinnbild, ein Erfahrungsbild für die subjektiv erfahrbare Oberfläche. Frei von aller Beschriftung kann sie neu beschrieben und mit Zeichen versehen werden und bietet somit die Möglichkeit der individuellen Welterfahrung.
vgl. Michael Glasmeier, Leere – Erfahrung – Poesie; S.77; in: Paolo Bianchi/Sabine Folie (hrsg.), Atlas Mapping; Wien: Turia+Kant, 1997